Über den Palmesel und seine Geschichte

Am 28. März 2026, am Samstag vor Palmsonntag, hielt Professor Dr. Reiner Sörries, evangelischer Pfarrer, Kunsthistoriker und christlicher Archäologe, in unserem Pfarrhof einen Vortrag über den spätbarocken Palmesel von Walleshausen. Die Kreisheimatpflege Landsberg und unser Verein hatten ihn dazu eingeladen und so nahm er zu diesem Anlass extra eine Reise quer durch die Republik auf sich.

Das Publikum aus Dorf und Region konnte im voll besetzten Pfarrhofsaal unterhaltsame Ausführungen über die allgemeine Kunstgeschichte der Palmesel, die bereits im 11. Jahrhundert in Mitteleuropa nachgewiesen ist, und über den „Spezialfall“ unseres Palmesels hören.

Im Laufe des Spätmittelalters und des Barock hatte die „Herrgottsfigur auf dem Esel“ zunehmende Beliebtheit beim gläubigen Volk erfahren. Ebenso wie auffahrende Christusfiguren an Christi Himmelfahrt oder die schwebenden Heiliggeisttauben an Pfingsten belebte der Palmesel als „handelndes Bildwerk“ die Volksfrömmigkeit. Dies artete wohl in zahlreichen bayerischen Gemeinden in Volksbelustigung und Besäufnis aus, so dass im Zuge der Aufklärung 1783 die Palmesel im Kurfürstentum Bayern verboten wurden. So kam es, dass der spätbarocke Walleshauser Palmesel, der 1772 von Franz Xaver Schmädl (1705 – 1777) für die Pfarrei gefertigt worden war, nur wenige Jahre zum Einsatz kam.

Sogenannte „Eselmetzger“ zerstörten bayernweit im hoheitlichen Auftrag die Tier- und Reiterfiguren. Der Walleshauser Palmesel konnte als einer der wenigen diese Phase – gut verwahrt und wohlbehalten – überstehen. Dennoch sah man im Jahre 1905 immer noch keine sinnvolle Verwendung für ihn und so kam er vom Kirchendachboden vermutlich als Geschenk ins Stadtmuseum Landsberg. 50 Jahre später erinnerte man sich in der Heimat an ihn und beantragte unter der Federführung von Heinrich Welz sen. und dem Sängerhort seine Rückkehr. Wie wir wissen, mit Erfolg. Heute steht das Tier mitsamt Reiter gut renoviert im „Eselhaus“-Flügel unseres Pfarrhofs und harrt geduldig auf seinen alljährlichen Einsatz, wenn er in der Palmprozession mitgeführt und bei der Kinderkirche eingesetzt wird.

Im Anschluss an den kurzweiligen Vortrag konnten die Zuhörer den Herrgott auf dem Esel aus der Nähe betrachten und bei kleinen kulinarischen Spezialitäten miteinander ins Gespräch kommen.
Wir danken allen Interessierten für Ihren Besuch und ihre Spende, Kreisheimatpflegerin Carmen Jacobs für die gute Zusammenarbeit und Professor Dr. Sörries ganz herzlich für seinen höchstinteressanten Vortrag. Vielleicht kommt es ja in den nächsten Jahren zu einem weiteren Besuch.